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Konzert 28.02.2010
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Johann-Joachim-Quantz-Konzert am 28. Februar 2010

Das Konzert Nr. 182 D-Dur QV 5:41 wurde von Johann Joachim Quantz um 1754 in Berlin komponiert. Dort befinden sich auch heute noch die jeweils einem der Schlösser Friedrichs des Großen zugeeigneten Stimmensätze: „pour Charlottenbourg”, „pour Potsdam” und „pour Sans Souci“. Der Titel des Konzerts auf den Manuskripten lautet: „Nro : 182. Concerto à 5. Flauto Traversiero, Violino Primo, Violino Secondo, Violetta e Basso. di Quantz.” Die Mappen enthalten dann jeweils die von Schreibern geschriebenen sechs Stimmen. Es sind also keine Autographe darunter. Die Basso-ripieno-Stimme der Stimmensätze „pour Potsdam“ und „pour Sans Souci“ wurde dabei von Augustin Neuff, einem Schüler von Quantz, der 1754 in die Königliche Kapelle aufgenommen wurde, geschrieben. Alle drei Sätze des Konzerts sind in Ritornellsatzform komponiert, so dass sich Tutti- und Soloabschnitte abwechseln. Dabei spielt das Tutti jeweils das Thema oder einen Teil desselben, dazwischen erklingen Soloepisoden mit thematischen Motiven und freien Spielfiguren. Quantz schreibt in seinem Lebenslauf vom 14. April 1762 hierzu: „Die Konzerte versuche ich (soweit mein schwaches Können es erlaubt) in der Weise zu machen, dass die Ritornelle in einem beständigen Zusammenhang mit der konzertierenden Stimme stehen und es so ein gut ausgewogenes Ganzes wird.“

Franz Joseph Haydn (1732 - 1809) trat im Mai 1761 in den Dienst des Fürsten Esterházy in Eisenstadt im Burgenland. Als Vizekapellmeister war er für die Instrumental- und Theatermusik zuständig. Fürst Paul Anton hielt sich hauptsächlich in seinem Wiener Palais auf, so dass Haydn dort seinen Dienstpflichten nachkommen konnte. Im März 1762 starb der Fürst und sein Bruder Nikolaus trat die Nachfolge an. Dadurch verlagerte sich Haydns Dienstort an den fürstlichen Hof in Eisenstadt. Unter Haydns Leitung entwickelte sich das kleine Orchester zu einem bemerkenswerten Ensemble. Zwischen 1759 und 1789, vor seiner ersten Reise nach England, komponierte Haydn 94 Symphonien. Die Symphonie Nr. 39 in g-Moll entstand im Zeitraum 1765 - 1768. Wenn die Symphonie bereits 1765 komponiert wurde, stellt sie Haydns erste „Mollsymphonie“ dar. Eine weitere Besonderheit ist die Verwendung von vier anstatt der sonst üblichen zwei Hörner. Der Beginn des ersten Satzes ist ziemlich ungewöhnlich: das Thema beginnt im Piano und enthält eine längere Generalpause, so dass der Zuhörer zunächst den Eindruck hat, die Musik sei abgebrochen. Das Gegenstück zum ersten Satz ist der dramatische Schlusssatz. Durch große Intervalle, Tremolo-Kaskaden der Streicher und virtuose Läufe entsteht ein nahezu wilder Charakter des Satzes. Auch einige Zeitgenossen Haydns (Johann Baptist Vanhal, Johann Christian Bach, Carl Ditters von Dittersdorf) komponierten in dieser Zeit Symphonien ähnlichen Charakters und düsterer Klangfarbe, was in der Entwicklung der Symphonie eine Neuheit war.

Wolfgang Amadeus Mozart (1756 - 1791) hörte bei seinem Aufenthalt in Wien 1773 vermutlich einige dieser Werke und möglicherweise auch die Symphonie Nr. 39 g-Moll von Haydn. Dadurch wurde er wahrscheinlich bei der Komposition seiner Symhonie g-Moll KV 183 beeinflusst. Sein Werk sieht ebenfalls vier Hörner in der Besetzung vor. Der siebzehnjährige Mozart war 1773 erzbischöflicher Konzertmeister in Salzburg. Er vollendete die Symphonie dort am 5. Oktober 1773. Die Schrift im Autograph lässt darauf schließen, dass Mozart die Symphonie in einem Zug niedergeschrieben hat. Sie ist seine erste Moll-Symphonie und durch die Verwendung zahlreicher Synkopen, Dissonanzen und Tremoli ungewöhnlich ausdrucksstark.

In den 1780er Jahren benötigte Mozart Symphonien für eine Konzertreihe. Aus diesem Grund versuchte er vermutlich, das Datum im Autograph unleserlich zu machen, um das Werk als neue Komposition darstellen zu können.

Anfang 1775 komponierte Wolfgang Amadeus Mozart in München die Klaviersonate KV 283 G-Dur. Den zweiten Satz dieser Sonate (Andante) nahm Pasquale Thibaut als Grundlage für einen Chorsatz mit dem Text „Großer Gott, wir loben dich“. Die Melodielinie der rechten Hand legte er dabei leicht vereinfacht in die Oberstimme des Chorsatzes.

Das Lied „Abendruhe“ mit dem Text „Verklungen ist des Tages Treiben“ ist in der Neuen Mozart-Ausgabe nicht zu finden. Im Köchelverzeichnis findet man unter KV Anh. C 9.10 den Chorsatz „Wie herrlich sind die Abendstunden“ mit dem in etwa gleichen Notentext wie „Verklungen ist des Tages Treiben“. Hierzu findet man in der Neuen Mozart-Ausgabe den Hinweis, dass es hierin nicht veröffentlicht wurde, was den Schluss zulässt, dass dieses Stück früher Mozart zugeschrieben wurde, aber neuere Forschungen davon ausgehen, dass es einen anderen Komponisten hat.

Die Uraufführung des Oratoriums „Elias“ op. 70 von Felix Mendelssohn Bartholdy (1809 - 1847) fand am 26. August 1846 in Birmingham statt. Gemeinsam mit dem Dessauer Pfarrer Julius Schubring setzte Mendelssohn das Leben des alttestamentlichen Propheten Elias (aus dem Buch der Könige) in Szene. Das Quartett „Wirf dein Anliegen auf den Herrn“ aus dem ersten Teil des Oratoriums ist ein schlichter Choral, in dem die Psalmen 55,23; 108,5 und 25,3 verarbeitet werden.

Kurz vor seinem Tod, im November 1791, komponierte Wolfgang Amadeus Mozart sein letztes vollendetes Werk, die „Freimaurerkantate“ KV 623. Einigen Exemplaren der Erstausgabe war noch der Maurergesang „Lasst uns mit geschlungnen Händen“ (KV 623a) beigebunden. Heute gilt als sicher, dass nicht Mozart der Komponist dieses Liedes ist, sondern wahrscheinlich Johann Holzer, ein Logenbruder Mozarts. 1804/05 erschien ein weiterer Druck des Maurergesangs mit dem neuen Text „Brüder, reicht die Hand zum Bunde“, dessen Verfasser vermutlich Franz Gerhard Wegeler ist (möglicherweise auch Johann Gottfried Hientzsch). 1947 wurde das Bundeslied österreichische Nationalhymne, nun mit dem Text „Land am Berge, Land am Strome“.

Ludwig van Beethoven (1770 – 1827) komponierte 1804/05 die Klaviersonate Nr. 23 in f-Moll op. 57, die später den Beinamen Appassionata (Die Leidenschaftliche) erhielt. Friedrich Silcher verband den Text „Heilge Nacht, o gieße du Himmelsfrieden in dies Herz“ mit dem zweiten Satz (Andante con moto) aus Beethovens Sonate und ließ das Stück in den 1830er Jahren in den „Melodien aus Beethovens Sonaten und Sinfonien zu Liedern für eine Singstimme eingerichtet“ drucken. Ignaz Heim (1818 – 1880) bearbeitete dieses Werk nochmals und brachte 1862 den vierstimmigen Männerchor „Heilge Nacht“ heraus. Als „Hymne an die Nacht“ wurde dieses Lied berühmt und bildete lange Zeit einen festen Bestandteil des Männerchorrepertoires.

Dr. Meike ten Brink